Redewendungen sind Wortkombinationen, deren Bedeutung nicht aus den verwendeten Wörtern abgeleitet werden kann. Als Metapher verstanden, wird der eigentliche Bedeutungszusammenhang nicht durch die im Satz gebrauchten Wörter hergestellt. Heute weist der "Volksmund" einige Redewendungen auf, die auf Zusammenhänge und Grundlagen beruhen, die weit in die Zeit zurückgehen. Diese werden zu Lande im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet, ohne dass die Herkunft der Wörter und Phrasen an die Verwender weitergegeben wird.
Oftmals kann die Herkunft von Redewendungen nicht eindeutig, aber mindestens richtungsweisend aufgeklärt werden.
Häufig verwendete Redewendungen
"Am Drücker sein"
Umgangssprachlich: Die Entscheidungsfreiheit haben.
Abgeleitet aus einer Schützeneigenschaft aus Jagt und Militär. Erst mit dem Willen auch abzudrücken wird der Finger auf den Abzug (Drücker) einer Schußwaffe gelegt. Der Schütze hat dabei noch Sekunden Zeit von seinem Vorhaben abzulassen, auch wenn er bereits am Drücker ist.
"Aufpassen wie ein Schießhund"
Umgangssprachlich: Hoch wachsam sein.
Abgeleitet aus einer Dressur von Jagthunden. Der Hund wurde abgerichtet mit dem Schuss des Jägers loszulaufen. Häufig verwendet bei der Jagt auf Federvieh. Die herabstürzenden Tiere wurde von dem Jagthund aufgesammelt und "wie ein Stöckchen" zum Herrchen gebracht.
"Das kommt mir spanisch vor"
Umgangssprachlich: Fremd und ungewöhnlich.
Im 15. bis 16. Jahrhundert wurde im heutigen Deutschland alles Spanische in Misskredit gebracht. Mit dem spanischen König Karl dem Fünften, den der Papst zudem zum Kaiser krönte, wurden einige der spanischen Sitten auch hier zu Lande eingeführt, welche insbesondere bei Protestanten auf Unverständnis stießen.
"Das ist starker Tobak"
Umgangssprachlich: Das ist hart zu ertragen.
Tobak ist ein alter Ausdruck für Tabak. Vermutlich abgeleitet aus dem spanischen "Tobaco". Zu starker Tobak löste so manchen Hustenanfall aus. Die Wortgruppe wird aber auch mit einer Sage verknüpft. Dieser Sage nach, bot ein Jäger dem Teufel eine Tabakspfeife an. Bei der anschließenden Tabakprobe schoss der Jäger auf den Teufel mit seinem Gewehr. Für den Teufel in diesem Moment: starker Tobak.
"Du bist / Das ist leiwand"
Umgangssprachlich: Du bist / Das ist großartig (oder toll).
Der etwas modernere Begriff "leiwand" stammt aus dem Wienerischen. Zuerst in Österreich häufig verwendet, wurde der Begriff im weiteren deutschsprachigen Raum teilweise übernommen.
Der Sänger Edmund (AT) trug mit seinem erfolgreichen und gleichnamigen Song "Leiwand" zur Popularität über die Landesgrenze hinaus bei.
"Dreck am Stecken"
Umgangssprachlich: Kriminell oder unmoralisch sein.
Als "Stecken" (mittelhochdeutsch "Stecke" = langer Stock) bezeichnete man allgemein einen Stock. In diesem Zusammenhang den unteren Teil eines Geh- oder Wanderstockes, der den Boden berührt. Als gesellschaftlich "dramatisch/ungepflegt" galt es einst, diesen nicht zu reinigen, wenn man ein fremdes Haus betrat. Bei Besuchern achtete man häufig auf dieses Detail. Besonders, wenn nicht befestigte Wege genutzt wurden, war dieser Stock eine große Hilfe, allerdings dann auch besonders schmutzig. Was man grotesker Weise dann auch dem Eigentümer unterstellte. Nebenwege nutzten nach damaliger Teilauffassung nur Personen, die nicht gesehen werden wollten.
Als weitere Herleitung ist in der Literatur der Stecken lediglich als ein "Stöckchen" beschrieben, mit dem man den Matsch aus dem Schuhprofil kratzte. Zwar wurde dieser Stecken nicht mit in ein Gebäude genommen, aber etwas schmutziges damit verbunden.
"Es sitzt, wie angegossen"
Umgangssprachlich: Absolut passend.
Diese aus den Handwerk stammende Aussage beschreibt, dass etwas einfach gut passt. Nach Verhärtung eines flüssig aufgetragenen Werkstoffes, kleidet die Masse leerraumlos, da sie angegossen wurde.
"Es ist höchste Eisenbahn"
Umgangssprachlich: Es eilt!
Ein populärer Satz aus einem Aufführungsstück von Adolf Glasbrenner. In der Komödie verspricht sich der Hauptdarsteller und sagt "Höchste Eisenbahn", statt "Höchste Zeit".
"Etwas Faul im Staate Dänemark"
Umgangssprachlich: Da stimmt etwas nicht.
Aus Shakespeares »Hamlet« (1,4): "Something is rotten in the state of Denmark". Warum ausgerechnet das Land Dänemark bleibt umstritten.
"Hand auf's Herz"
Umgangssprachlich: Die Wahrheit sprechen.
Diese Geste wurde früher vor Gericht verwendet und symbolisierte eine Aussage, die einem Eide gleich kam.
"Jemanden abblitzen lassen"
Umgangssprachlich: Einen Menschen abweisen.
Bei alten Musketen kam es vor, dass das Zündpulver in der Zündkammer "abblitzte", ohne die eigentliche Treibladung zu entzünden. Der Schuss blieb durch das Abblitzen erfolglos und war vergeben.
"Nimmt kein Blatt vor den Mund"
Umgangssprachlich: Offen sprechen.
Aus der alten Gepflogenheit heraus, dass in den ehemaligen Monarchien Europas Meinungen über die Herscher nur im Theater im Schauspiel versteckt zu äußern waren. Freie Meinungsäußerungen konnten mit einer Hinrichtung enden. Auf diese Weise war ein indirektes Spotten möglich. Das Textblatt war bei der Aufführung nicht mehr von nöten.
"Schwein gehabt"
Umgangssprachlich: Unverhofft Glück haben.
Im Mittelalter galt es allgemein als Zeichen des Wohlstandes, wenn man ein Schwein besaß. Ebenso wurde damals bei Wetten mit großem Einsatz dem Verlierer ein Schwein oder Ferkel ausgehändigt - als Trostpreis.
"Wer es glaubt, wird seelig"
Umgangssprachlich: Unglaubwürdig.
Eine heute spöttisch verwendete Aussage. Herkunft war allerdings die Bibel ohne Spotthaftigkeit.
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Quellen:
Hollweck, Thomas: Die Geheimnisse hinter unseren Redewendungen. 2. Auflage, Books on Deman, Norderstedt 2017.
Wagner, Gerhard: Schwein gehabt! - Redewendungen des Mittelalters. Regionalia Verlag, 2023.
Braun, Hans-Gert: Kein Blatt vor dem Mund aber Dreck am Stecken - Ausgewählte Redewendungen und ihre kuriose Herkunft. 2. Auflage, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2008.
Scholze-Stubenrecht/Haller-Wolf: Duden - Redewendungen - Wörterbuch der deutschen Idiomatik. 4. Auflage, Band 11, Dudenverlag Berlin, 2013,
